Grün im Januar #12coloursofhandmadefashion

Ich nähe gerne, aber viel zu selten. Deswegen bin ich froh darüber, dass Selmin von Tweed & Greet die Aktion 12 Colours of Handmade Fashion ins Leben gerufen hat. Jeden Monat im Jahr 2017 schlägt Selmin eine Farbe vor, von der man sich zu einem DIY-Kleidungsstück inspirieren lassen kann. Wer mehr darüber wissen möchte, erfährt es hier. Für den Januar schlug Selmin die Farbe grün vor. In meinem Kleiderschrank herrschen zwei Farben vor: blau und schwarz. Ich würde sagen, dass 90% meiner Kleidungsstücke eine dieser beiden Farben haben. Bunt ist anders.

Die einzigen bunten Kleidungsstücke, die ich besitze und trage, sind Socken und Halstücher. Da ich nicht stricken kann, fiel die Entscheidung auf ein selbstgenähtes Halstuch. Ich wusste aber, dass es kein komplett grünes Halstuch wird, das wäre für mich zu viel grün. Ich mag es, dass ich fast alle meiner Kleidungsstücke untereinander kombinieren kann. Natürlich kann man sagen, dass ich da ein bisschen festgefahren oder langweilig bin, aber ich mag es einfach!

Die Stoffsuche dauerte nicht sehr lange. Ich kaufte einen Stoff mit Schottenmuster in der Farbkombi blau-schwarz-grün und dazu besorgte ich ein grünes Paspelband, was für mich fast schon verwegen ist. Das Tuch war schnell genäht, obwohl ich zum ersten Mal Paspelband verarbeitet habe.

Ich bin happy mit dem Ergebnis und werde das Tuch mit Sicherheit oft tragen!

Ich bin gespannt, welche Farbe Selmin für uns im Februar bereit hält. Ein Tuch werde ich dann auf jeden Fall nicht wieder nähen, das wäre sogar mir zu langweilig!

Grün im Januar #12coloursofhandmadefashion

Gratwanderung und Bitterkeit

Vor drei Jahren habe ich meiner Schwester einen Brief geschrieben. Einen Abschiedsbrief. Einen beschissenen Brief. Eine feige Art Lebewohl zu sagen.

Ich finde bis jetzt nicht die Worte, die erklären könnten, warum ich den Kontakt zu ihr abgebrochen habe. Mir war klar geworden, wie sehr wir uns voneinander entfernt hatten. Ich habe sie immer weniger verstanden. Ich begann damit ihr Dinge zu verschweigen, weil ich mich nicht ihrer Beurteilung aussetzen wollte. Zum Schluss hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich an sie dachte, gefolgt von dem Gedanken, dass ich mich mal wieder bei ihr melden müsste. Ich möchte nicht von Schuld sprechen oder Gründe dafür nennen, warum mir der Kontakt so schwer fiel. Das wäre ungerecht. Aber mir war klar geworden, dass ich für mich und mein Wohlergehen verantwortlich bin und traf daraufhin eine durch und durch egoistische Entscheidung, die sich zwangsläufig auch auf meine Kinder auswirkte.

Meine Schwester hat sich immer sehr liebevoll um die Kinder gekümmert. Sie hatten eine sehr vertrauensvolle Beziehung zueinander. Besonders meine mittlere Tochter litt darunter, ihre Tante nicht mehr zu sehen. Ich habe versucht den Kindern zu erklären, dass sie ihre Tante sehen können, auch wenn ich keinen Kontakt zu ihr habe. Es gab Annäherungsversuche durch die Kinder, die erfolglos blieben. Ich habe diese Versuche nicht aktiv unterstützt, habe sie aber zugelassen, weil es den Kindern wichtig war. Für mich eine Gratwanderung.

Gestern konnten meine Töchter ihre Tante besuchen. Spontan und unerwartet. Ja, und ich freute mich darüber, weil die beiden so glücklich waren, so sehr strahlten, als sie zurückkamen, aber es meldeten sich auch ungute Gefühle. Meine Schwester erkundigte sich per SMS, der ersten seit drei Jahren, ob die zwei gut Zuhause angekommen wären. „Ja.“ war meine Antwort. Ich löschte die Nachrichten und die Nummer aus dem Protokoll. Kurz darauf traf eine weitere SMS ein. Und da war es, das Gefühl, die Angst davor, dass die SMS von ihr ist. Die Gewissheit, dass ich das nicht aushalten kann. Die Angst davor, dass sie sich meldet, die Angst davor wieder eine Rolle zu spielen, damit es sich für sie gut anfühlt. Ich las die Nachricht und sie fragte mich, ob sie die Kinder in zwei Wochen sehen kann. In meinem Kopf drehte sich alles. Dieser kaum auszuhaltende Zwiespalt. Das zu tun, was für mich richtig ist, und trotzdem die Bedürfnisse meiner Kinder anzuerkennen und diesen gerecht zu werden.

Ich bat meinen Mann ihr zu schreiben, dass ein Treffen in Ordnung ist und dass sie sich in Zukunft nur noch an ihn wenden soll.

Eine halbe Stunde später bekam ich wieder eine SMS. Von ihr. Der Inhalt kurz. Zwei Worte. „Erbärmliche F*tze“

Gratwanderung und Bitterkeit

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? WMDEDGT? 01/17

Frau Bruellen fragt wie an jedem 5. des Monats „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ und ich beantworte diese Frage heute zum ersten Mal.

00:00 Uhr
Obwohl ich mir vorgenommen habe, wieder pünktlicher zu Bett zu gehen, um morgens früher aufzustehen, gelingt mir das (wieder) nicht. Am Montag beginnt die Schule und wir müssen pünktlich aufstehen.

01:00 Uhr
Ich schlafe ein.

03:00 Uhr
Ich wache auf, weil meine Tochter zur Toilette geht. Daraufhin wechsele ich das Zimmer, da mein Mann schnarcht und ich nicht wieder einschlafen kann.

06:40 Uhr
Der Wecker klingelt und ich drücke so oft auf die Snooze-Taste, bis der Wecker letztlich nicht mehr klingelt.

08:51 Uhr
Ich werde wach und stehe auf.

Ich mache mir einen Kaffee und setze mich auf die Couch. Meine Tochter und mein Sohn kommen dazu. Die Jüngste hat bei meinen Eltern übernachtet. Wenn sie zurückgebracht wird, werden meine Eltern meinen Sohn für eine Übernachtung mitnehmen und so ist er sehr gut gelaunt. Mein Mann steht auch auf und wir frühstücken gemeinsam.

10:45 Uhr
Ich gehe nach oben und verstecke mich vor meinen Eltern, weil ich sie nicht sehen will. Von meinem Sohn habe ich mich bereits verabschiedet und ihm viel Spaß gewünscht. Ich freue mich darüber, dass meine Kinder ein so gutes Verhältnis zu ihren Großeltern haben. Dass ich mich vor ihnen verstecke, kotzt mich an. Schwierig.

Meine Jüngste kommt zu mir und erzählt davon, was sie erlebt hat. Sie hat sich im Ein-Euro-Laden ein kleines Schminkköfferchen von meinen Eltern kaufen lassen. So wie ihre Schwester am Tag zuvor. Die beiden holen ihre Schminkpuppen, die sie ebenfalls von meinen Eltern bekommen haben, und sind für eine Stunde intensiv mit ihren Puppen und der Schminke beschäftigt.

In der Zeit sortiere ich Unterlagen am Rechner und prokrastiniere so vor mich hin. Ich hätte schon längst mit den Vorbereitungen auf eine mündliche Prüfung im Februar beginnen müssen.

12:00 Uhr
Die beiden sind mit ihren Puppen inzwischen ins Badezimmer umgezogen und möchten die Puppenhaare frisieren. Ich weiß nicht, was meine ältere Tochter mit den Haaren ihrer Puppe angestellt hat, aber das hat sie sehr gründlich gemacht. Die Haare sind total verknotet, mit der Bürste gibt es kein Durchkommen. Im Internet lese ich, dass die Knoten sich mit Hilfe von Weichspülern wieder lösen können. Wir probieren es aus, aber ich kann keine Verbesserung erkennen, meiner Tochter geht die Lust aus und sie fragt, ob ich mich um die Haare kümmere.

13:30 Uhr
Mittagessen für die Kinder

14:00 Uhr
Die Kinder sollen die Zimmer aufräumen und ich kümmere mich um die Puppenhaare. Nach 5 Minuten, in denen ich versuche mit der Bürste, die Knoten zu lösen, gebe ich auf und greife zur Schere. Meine Tochter ist (zum Glück) mit dem Ergebnis zufrieden.

Ich lese im Internet. Die Kinder sind in ihren Zimmern und vielleicht räumen sie auf.

15:00 Uhr
Ich fahre mit meiner Jüngsten in die Stadt. Mein Mann und ich haben beide jeweils ein Bücherpaket bei der Stadtbibliothek gewonnen. Außerdem muss ich ausgeliehene Kinderbücher und –hörspiele zurückgeben.

Ich bin immer erstaunt, wie einfach alles ist, wenn ich nur ein Kind dabei habe. In der Bücherei erhalte ich die liebevoll eingepackten Gewinne und freue mich sehr darüber. Meine Tochter sucht sich neue Hörspiele und ein Buch aus. Wir besorgen noch zwei, drei Kleinigkeiten und gehen dann ins Eiscafé. Endlich löse ich dort den Gutschein ein, den ich seit Monaten in meiner Tasche durch die Gegend ‚getragen‘ habe. Milchshake für meine Tochter, Milchkaffee für mich. Ich packe die Päckchen aus und freue mich erneut! Es sind drei Bücher. ‚Mord im Gurkenbeet‘, das ich noch nicht kannte. Außerdem ‚Der goldene Kompass‘ und ‚Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück‘, die ich beide schon gelesen habe. Falls jemand Interesse an den Büchern hat, kann er sich gerne melden.

18:00 Uhr
Wir sind wieder Zuhause. Mein Mann und die Tochter waren mit dem Hamster in der Zwischenzeit beim Tierarzt. Er hat eine Augenentzündung, die nun mit einer Creme behandelt werden muss.

18:30 Uhr
Abendessen für die Kinder. Ich kümmere mich um den Haushalt. Wäsche, Ordnung etc.

19:30 Uhr
Es ist Zubettgeh-Zeit für die Kinder. Sie möchten gemeinsam im Zimmer der Jüngsten übernachten. Natürlich gibt es erstmal Streit darüber, wer wo schläft und auf welcher Isomatte oder im Bett oder oder oder. Nach kurzer Zeit scheinen sie eine Einigung erreicht zu haben. Bis jetzt sind sie noch nicht eingeschlafen. Abwarten, ob der Frieden hält. Es gibt ja immer einen Grund, um sich zu streiten.

20:00 Uhr
Ich habe mir Abendessen, aus dem, was noch da war, gekocht. Kein Hochgenuss, aber ich bin satt.

20:30 Uhr
Ich schreibe diesen Beitrag. Anschließend schaue ich mit meinem Mann Fernsehen, lese im Internet und nehme mir erneut vor, pünktlicher zu Bett zu gehen.

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? WMDEDGT? 01/17

Ich habe es mir spaßiger vorgestellt.

Mein Mann hat meinem Sohn letztes vorletztes Jahr zu Weihnachten ein Modelleisenbahn-Starterpaket geschenkt. Er hatte es sich nicht gewünscht, aber es erweckte in ihm eine Modelleisenbahn-Leidenschaft. Er wälzte Kataloge, besuchte gemeinsam mit meinem Mann eine Messe und entwickelte große Pläne. Einer davon lautete: „Ich möchte einen Berg bauen!“ Die Platte, auf der die Eisenbahnschienen und Co. aufgebaut sind, ist ca. 1 x 2 m groß. Ich zweifelte daran, dass dort ein Berg genug Platz haben würde, hielt mich aber raus. Nachdem mein Sohn meinem Mann sehr lange mit seinem Vorhaben in den Ohren lag, ist er mit ihm losgezogen, um die Dinge, die man für den Bau eines Berges benötigt, zu kaufen. Erstaunlich, was man dazu alles braucht (meine Meinung). Aber Hauptsache war, dass es endlich losging! Heute stand Arbeitsschritt 3 an. Papierstreifen mit Kleister auf die Grundform des Berges kleben. Nachdem mein Mann die Arbeitsschritte 1 und 2 fast alleine durchgeführt hatte, war nun mein Sohn dran. Nach ca. fünf Minuten stand mein Sohn mit zusammengekniffenen Augenbrauen vor mir, Spuren von Kleister auf seinem T-Shirt. Ich fragte ihn: „Was ist los?“

Seine Antwort: „Ich habe mir das spaßiger vorgestellt!“

Monatelang träumt mein Sohn davon, einen Berg zu bauen und jetzt, wo er seinen Plan endlich umsetzen kann, geht ihm nach fünf Minuten die Lust aus, weil er es sich spaßiger vorgestellt hat.

Im ersten Moment denke ich mir: „Ja, du hast vollkommen Recht, ich habe mir das alles insgesamt auch spaßiger vorgestellt.“ Das sage ich nicht, aber das was ich dann sage, hilft auch nicht. Was das genau war, weiß ich nicht mehr. Irgendwas elternmäßiges. „Jetzt macht es dir vielleicht keinen Spaß, aber stell dir doch vor, wie viel Spaß du haben wirst, wenn der Berg fertig ist.“

Als ich ungefähr fünf Jahre alt war, wollte ich 800-Meter-Läuferin werden. ‚Damals‘ verfolgten wir noch jede Deutschland-, Europa- und Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele live am ‚Bildschirm‘. Unser TV-Gerät war zugegebenermaßen sehr klein und wir saßen mit sehr großem Abstand ‚davor‘ (wegen der Augen, die eckig werden könnten und so).  Jedenfalls sah das mit dem Laufen im Fernsehen wirklich sehr, sehr einfach aus. Die 400-Meter-Bahn erschien sehr, sehr klein und die SportlerInnen zogen so leichtfüßig ihre Runden, dass ich dachte: „So ein bisschen laufen, krieg‘ ich auch hin!“ Als ich dann zum ersten Mal auf einem Sportplatz war und sah, wie groß so eine Runde ist und ich zum ersten Mal so eine Runde lief und merkte, wie anstrengend das ist, beendete ich meine Sportlerinnen-Karriere, bevor sie begann.

Ich kann es absolut nachempfinden, dass mein Sohn frustriert ist. In der eigenen Vorstellung erscheint vieles so einfach. Georg Simmel hat es folgendermaßen formuliert:

„Wenn man eine Grundtatsache sucht, die als die allgemeinste Voraussetzung aller Erfahrung und aller Praxis, aller Spekulation des Denkens und aller Lust und Qual des  Erlebens gelten könnte, so wäre sie vielleicht so zu formulieren: Ich und die Welt.“
(Georg Simmel; Hauptprobleme der Philosophie; 3. Kapitel: Vom Subjekt und Objekt)

Die Welt kann den eigenen Vorstellungen Grenzen setzen. Oder sie beflügeln.

Ich habe es mir spaßiger vorgestellt.

Mein Jahresrückblick 2016

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Meine Schwiegermutter ist am 11. Dezember gestorben. Das hat mir komplett den Boden unter den Füßen weggerissen. Das ganze Jahr war für mich extrem anstrengend. Es gab viele Tiefs, aus denen ich mich mit sehr großer Kraftanstrengung und Unterstützung wieder herauskämpfen konnte. Dass meine Schwiegermutter gestorben ist, hat mir einen absoluten Tiefschlag versetzt und es wird noch dauern, bis ich wieder sicher auf den Beinen stehen kann.

Es gab aber trotz allem auch gute Zeiten. Mit meinem Mann, meinen Kindern, meinen Freundinnen und anderen.

Eine Bewertung des Jahrs 2016 würde ungerecht ausfallen. Deswegen erfolgt hier keine.

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen.

Haare länger oder kürzer?
Länger.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Weder noch.

Mehr Geld oder weniger?
Mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr.

Der hirnrissigste Plan?
Ich schaffe das alleine.

Die gefährlichste Unternehmung?
Das Leben an sich.

Die teuerste Anschaffung?
Autoreparatur inkl. TÜV und Zahnriemenwechsel.

Das leckerste Essen?
Der Käsekuchen an meinem Geburtstag.

Das beeindruckendste Buch?
… trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager.  von Viktor E. Frankl

„Das erstemal in meinem Leben erfahre ich die Wahrheit dessen, was so viele Denker als der Weisheit letzten Schluß aus ihrem Leben herausgestellt haben; die Wahrheit, daß die Liebe irgendwie das Letzte und Höchste ist, zu dem sich menschliches Dasein aufzuschwingen vermag. Ich erfasse jetzt den Sinn des Letzten und Äußersten, was menschliches Dichten und Denken und – Glauben auszusagen hat: die Erlösung durch die Liebe und in der Liebe.“ (Aus dem Kapitel ‚Wenn einem nichts mehr bleibt‘)

Sophia, der Tod und ich von Thees Uhlmann

Tagebuch einer Killerkatze von Anne Fine. Mit Illustrationen von Axel Scheffler.
Ich war mit den Kindern im Rahmen der lit.Cologne bei einer Veranstaltung mit Axel Scheffler. Selbstverständlich ging es u.a. um den Grüffelo. Er hat aber auch Auszüge aus dem wunderbaren Tagebuch der Killerkatze vorgelesen. Die Art und Weise, wie er das gemacht hat, hat mich sehr beeindruckt. Es gibt wenige Kinderbücher bei denen ich lachen muss. Dieses hier ist eines davon. Absolute Leseempfehlung für die ganze Familie!

Der ergreifendste Film?
Toni Erdmann. Absolut uneingeschränkte Empfehlung!

Heidi. Mit den Kindern.

So schwer mir das Weinen im ‚echten Leben‘ fällt, im Kino brechen alle Dämme. Bei Heidi habe ich fast durchgehend geweint. Schlimm! In den Sommerferien habe ich mit den Kindern ‚Findet Dorie‘ geschaut. Ich dachte mir: „Endlich ein Film, bei dem ich nicht weinen werde! Ein Animationsfilm mit Fischen. Weinen? Ich doch nicht.“ Ja, es war dann doch anders.

Die beste Serie?
Transparent.

Die beste CD?
‚The Getaway‘ von Red Hot Chili Peppers.

Ich habe sie in Köln live gesehen. Das Konzert war gut, aber blieb hinter meinen
Erwartungen.

‚My favourite things‘ von Joey Alexander.

Seit Marushas Version von ‚Somewhere over the rainbow‘, konnte ich das Lied nicht mehr hören. Joey Alexander spielt es so gefühlvoll, dass ich meine Abneigung sofort vergaß!

Das schönste Konzert?
Das Deichkind-Konzert in der Köln Arena. Überragend gut. Von der ersten bis zur letzten Minute hat das komplette Publikum die Musik und die Band gefeiert!

Im Schlosspark habe ich gemeinsam mit meinem Sohn das Konzert von Ramesh Shotham & Madras Special erleben dürfen. Jazzmusic mit Elementen der südindischen Ragas und Talas Musik. Ich kannte die Band vorher nicht. It was an absolutely mindblowing and overwhelming experience!

Die meiste Zeit verbracht mit…?
meinen Kindern.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Freundinnen.

Vorherrschendes Gefühl 2016?
Überforderung.

2016 zum ersten Mal getan?
Ein Tattoo stechen lassen. Es bleibt vorerst das einzige. Ich hätte niemals erwartet, dass es mir so sehr wehtun würde. Wenn ich daran denke, wie stark die Schmerzen waren, wird mir immer noch schlecht. Nichtsdestotrotz bin ich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.

2016 nach langer Zeit wieder getan?
Eine mündliche Prüfung abgelegt (und bestanden).

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Schulprobleme.
Ängste.
Zweifel.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich… vom Leben…

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ob es unbedingt das schönste war, weiß ich nicht. Ich habe an zwei Freundinnen Seife verschenkt, die mein Mann gemacht hat.  Womit ich nicht gerechnet hatte, war ihre große Freude darüber. Das hat mich wiederum sehr gefreut.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Dasein und zuhören.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Sie haben jedes Recht dazu, glücklich zu sein.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
„Lass uns ans Meer fahren!“

Besseren Job oder schlechteren?
Weder noch. Gar keinen Job.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Ja, ein Kinderbuch.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Mehrere Erkältungen.

Davon war für Dich die Schlimmste?
Erkältungen sind für mich nervig, aber nicht wirklich schlimm.

Dein Wort des Jahres?
Zuversicht.

Dein Unwort des Jahres?
Grundschule.

Dein Lieblingsblog des Jahres?
Ich habe kein Lieblingsblog. Ich verfolge aber sehr gerne:
Kaiserinnenreich
Geborgen wachsen
dasnuf
tweedandgreet
vierpluseins
meineschwestertotundichhier

Dein größter Wunsch fürs kommende Jahr?
Leichtigkeit.

2016 war mit 1 Wort…?
Fordernd.

Mit diesem Beitrag schließe ich mich der Blogparade auf dem Hebammenblog an.

der-weg

Mein Jahresrückblick 2016

do more of what makes you happy #12lettersofhandmadefashion

Das Jahr 2016 war kein leichtes Jahr für mich. Es gab viele Tage, an denen ich morgens nur aufstand, weil ich die Kinder in die Schule bringen musste. Aufstehen, anziehen, fertig machen, alles Mammutaufgaben, die mir im Bett unüberwindbar erschienen. Wenn ich einmal auf den Beinen war, dann ging es. Die Kinder abholen, war dann die nächste Herausforderung. Wie gerne ich eine Tarnkappe gehabt hätte, damit mich niemand sieht. Der Gedanke, mich mit den anderen Eltern an der Schule unterhalten zu müssen, überforderte mich. Es war alles zu anstrengend, alles zu viel.

Es war für mich einfach an der Zeit professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zum Glück fand ich sehr schnell einen Therapieplatz und dieses Mal passte es auf Anhieb mit dem Therapeuten und mir. Das war eine Art Wendepunkt. Es ging bergauf. Nicht wie bei einer Mondrakete, eher wie bei einer alten Dampflok, aber trotz allem ging es langsam und stetig bergauf.

Inzwischen überwiegen die guten Tage, aber die schlechten gibt es weiterhin. Das sind Tage, die mich in die Knie zwingen,  an denen die Hoffnung schwindet, die pechschwarze Gedanken bringen. An diesen Tagen wünsche ich mir, dass es vorbei ist und weil mein Kopf mit einer schwarzen Suppe gefüllt ist, gibt es keinen Hoffnungsschimmer, der mich glauben lässt, dass es wieder einen guten Tag geben wird. Und immer wieder frage ich mich: was hält mich überhaupt am Leben? Ja, ich weiß, dass mein Mann, meine Kinder und meine Freundinnen mir Halt und Liebe geben, ich weiß das, aber ich kann es an diesen Tagen nicht fühlen.

Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es sich lohnt weiterzukämpfen. Für einen Ausflug mit den Kindern, bei dem ich meine Sorgen vergessen kann. Für ein Treffen mit meiner Freundin, während dem ich mich frei und unbelastet fühle. Für einen Abend mit meinem Mann, an dem ich für einen Moment glauben kann, dass alles in Ordnung ist und bleibt.

Mein Leben ist nicht immer lustig, aber mein Lachen habe ich nie verloren, an dunklen Tagen vermisse ich es, und an den guten versuche ich für die dunklen mitzulachen. Eine wunderbare Gelegenheit um meine Lach-Akkus zu füllen, hatte ich am vergangenen Wochenende in Berlin.

Meine liebe Freundin Selmin hat die tolle Aktion 12 letters of handmade fashion ins Leben gerufen. (Auf ihrem Blog könnt ihr bei Interesse genau darüber lesen.) Kurz gesagt, wurde jeden Monat ein Buchstabe gezogen, zu dem jede und jeder aufgerufen war, ein Kleidungsstück zu nähen. Im Dezember war dies ein L wie Lederhose, Leinenkleid oder Lodenmantel. Die Aktion begann im Januar und fand ihren krönenden Abschluss bei einem gemeinsamen Nähwochenende (a so called meet & sew) in Berlin. Es waren zwei ganz wundervolle Tage. Alles war von Selmin und Fee perfekt organisiert wurden. Amaia, mit der ich gemeinsam angereist war, hatte sich um die Bahntickets und das Hotel gekümmert. Ich musste mich nur um mich sorgen, was für mich durch den  Alltag mit drei Kindern ein echter Luxus ist. Ich habe es sehr genossen. An diesem Wochenende gab es keine Sorgen, keine Probleme, ich war einfach nur im Hier und Jetzt!

Und obwohl ich gefühlt die meiste Zeit damit verbracht habe, verträumt in der Gegend herumzuschauen und mich am Buffet zu bedienen (Gönn dir!), habe ich es tatsächlich geschafft meinen Dezember-Beitrag fertigzustellen.

I proudly present my Lagenlook mit Lederkleid (aus Lederimitat) mit Longjacke und ganz wichtig einem unbezahlbaren Lachen als schönstem Accessoire.

#12lettersofhandmadefashion

Ich bedanke mich, bei allen, die diese Treffen so wunderbar gemacht haben.

Selmins Beitrag findet ihr hier – mit tollem Text und wunderschönen Bildern.

do more of what makes you happy #12lettersofhandmadefashion

Die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit aufgeben.

Am Sonntagabend klingelt das Handy meines Mannes. Er geht ins Schlafzimmer, um den Anruf entgegen zu nehmen. Währenddessen begleite ich die Kinder ins Badezimmer. Zähne putzen. Mein Mann holt mich aus dem Badezimmer, schließt die Tür und während er seine Hand auf meinen Arm legt, sagt er: „Deine Oma ist gestorben!“. Ich antworte: „Ach, so.“ Ich gehe zurück ins Badezimmer und nichts weiter.

Ja, da stirbt die eigene Oma und nichts passiert. Keine Gefühle, keine Tränen, einfach nur Gleichgültigkeit.

Am Montag fällt mir ein, dass ich es den Kindern sagen muss. Aber was sagt man da, wenn die eigene Oma, meine Oma, stirbt und mich das völlig unbeeindruckt lässt?

Am Dienstag erzähle ich ihnen davon und ich denke, dass es so ok war. Mein Sohn fragt, ob wir zur Beerdigung gehen. „Nein.“, sage ich kurz und knapp. Sie kannten sie nicht, mein Sohn hat sie zweimal gesehen, meine Töchter einmal. Ich habe sie wesentlich häufiger gesehen, kannte sie aber auch nicht.

Am Mittwoch frage ich mich, welche Erinnerungen ich an meine Oma habe. Viel fällt mir nicht ein. Ein kurzer Dialog kommt mir in den Sinn. Ich war ungefähr 15 Jahre alt.

„Jennifer, hast du abgenommen?“
„Ja.“
„Schön. Es könnte aber etwas mehr sein.“

Zu meiner Hochzeit ist sie nicht gekommen. Sie sagte meiner Mutter, dass sie schon bei so vielen Hochzeiten gewesen wäre und viele Paare inzwischen getrennt wären.

Die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit aufgeben? Ich wünsche mir, mich daran erinnern zu können, mit meiner Oma gelacht zu haben, dass meine Oma mich umarmt, wie eine Oma das eben macht, dass sie mir sagt, wie sehr sie mich lieb hat, dass sie sich freut mich zu sehen, dass sie sich für mich interessiert.

Diese Erinnerungen gibt es nicht. Ich werde die Hoffnungen auf eine bessere Vergangenheit aufgeben müssen, jetzt bin ich noch nicht bereit dazu. Ich trauere nicht um meine Oma, aber ich trauere um die Dinge, die möglich gewesen wären. Um die Liebe, die ich nicht fühlte, das Lachen, das nicht erklang, die Umarmungen, die ich nicht spürte.

Die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit aufgeben.