Let’s talk about sex!

Wie war das denn damals noch? Damals, vor über 20 Jahren, als ich 17 war und das erste Mal Sex hatte.

Meine Mutter ist mit den Themen Aufklärung und Sex relativ offen umgegangen. Was mein Vater dazu gesagt hat, weiß ich nicht mehr. Ich denke es war wahrscheinlich (wie fast zu allen Themen): nichts. Ich wusste also ziemlich gut darüber Bescheid, wie Babys entstehen, und zwar bevor ich wusste, was die Blümchen und die Bienchen eigentlich so treiben.

Meiner Mutter wurde in ihrer Kindheit erklärt, dass die Hebamme die Babys in einem Koffer mitbringt. (Irgendwie steckt in dieser Aussage ja auch ein Fünkchen Wahrheit.) Jedenfalls war es ihr wichtig, dass wir, meine Geschwister und ich, Bescheid wissen.

Sie sagte mir, als ich ungefähr 12 war, dass Sex etwas Besonderes wäre und ich auf den Richtigen warten sollte. Denn wenn ich einmal Sex gehabt hätte, würde ich es immer wieder wollen. Das ging so in Richtung „Kein Sex vor der Ehe“, wobei meine Mutter so liberal war, ein Zugeständnis zu machen. Die Eheschließung müsste nicht zwingend abgewartet werden, aber es sollte dann bitteschön schon der zukünftige Ehepartner sein.

Mein Bruder und meine älteste Schwester haben das tatsächlich so gemacht. Mein Bruder hat mir das auch versucht anhand eines Bildes deutlich zu machen. Eine Frau wäre wie ein Apfel. Jeder Mann, auf den sie sich einlassen würde, wäre wie ein Biss in diesen Apfel. Im schlimmsten Fall wäre von der Frau schlussendlich nur noch die Apfelkitsche übrig. (Zu dieser Aussage schreibe ich an dieser Stelle nicht mehr, da ich sonst kotzen muss.)

Mir war ziemlich schnell klar, dass ich weder auf den zukünftigen Ehemann noch die Eheschließung warten würde. Jetzt bin ich in einer Kleinstadt aufgewachsen und selbst, wenn es jemanden gegeben hätte, der für mich in Frage gekommen wäre, hätte ich mich nicht darauf eingelassen. Weiß es einer, wissen es alles. Es war aber so, dass ich das erste Mal hinter mir haben wollte. Ich wollte es abhaken. Es sollte erledigt sein. Ich hatte keine romantischen Absichten. Es war ein Punkt auf meiner To-do-Liste. Und das vielleicht auch aus der trotzigen Haltung einer Pubertierenden heraus. Und als Opfer von sexuellem Missbrauch, das sich fragt, ob es nach diesen Erfahrungen für immer „unfickbar“ bleiben wird.

Mit 17 lernte ich einen Mann aus der nahegelegenen Großstadt kennen. Ich war furchtbar naiv und fühlte mich doch so abgeklärt. Er wollte mich, weil ich Jungfrau war. Ich wollte ihn, um keine Jungfrau mehr zu sein. Wir haben uns ungefähr zwei Monate lang getroffen. Die meiste Zeit verbrachten wir im Bett, wobei ich glaube, dass wir trotzdem nur zwei- oder drei Mal Sex hatten.

Ich hatte Sex gehabt und hatte es überlebt. Einfach so.

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