Wenn die Wahrheit zu viel ist.

Mama-arbeitet hat Liebeskummer und fragt sich, ob sie darüber mit ihren Kindern sprechen soll.

Mein Vater hat nie über seine Gefühle gesprochen. Besser gesagt, er hat überhaupt nicht viel gesprochen. Er hat immer sehr viel gearbeitet, so dass ich ihn meist nur am Wochenende sah. Da war er aber eigentlich auch nicht da. Körperlich natürlich schon.

Meine Mutter hatte keine leichte Kindheit. So oder so ähnlich wird man sie im Buch „Die geprügelte Generation“ wiederfinden können. Darüber hat sie mit uns geredet. Für mich war das zu viel. Es ist das eine seinem Kind zu erklären, warum das Verhältnis zu den eigenen Eltern nicht das beste ist, kindgerecht. Es ist aber etwas ganz anderes seine Kinder mit der eigenen Geschichte zu überfordern und sie somit als TherapeutInnen auszunutzen. Noch besser wird das ganze, wenn man dann versucht den Kindern ein schlechtes Gewissen einzureden, weil diese mit den Großeltern nichts zu tun haben wollen.
Im Elternhaus meiner Mutter wurde viel geschwiegen. Tabu-Themen gab es massenweise. Meine Mutter glaubte, dass sie von einem Kuss schwanger werden kann, bis sie 16 wurde. Ich vermute, dass sie durch ihre Erfahrung zu der Überzeugung kam, dass das Gegenteil der richtige Weg wäre. Also: Offenheit. Es darf über alles gesprochen werden.

Für uns bedeutete das aber, dass sie über alles sprechen konnte. Mich hat das komplett überfordert. Muss ich wissen, dass mein Onkel meine Tante vergewaltigt hat? Muss ich wissen, dass meine Oma dazu sagte, dass sie doch selber Schuld sei, wenn sie sich auf diese Art kleidet? Warum muss ein Kind das wissen?

Bei mir hatte das zur Folge, dass ich mich verschlossen habe. Ich habe meiner Mutter gar nichts erzählt und das was sie erzählte, ließ ich über mich ergehen. Meine Schwester versuchte meine Mutter zu helfen, in dem sie ihr immer verständnisvoll zuhörte. Sie wurde ihre persönliche Gesprächstherapeutin, die ihr Trost spendete. Und das bis heute. Jedenfalls so lange, bis ich zur ihr den Kontakt abbrach.

Zu meinen Eltern habe ich seit knapp zwei Jahren so gut wie keinen Kontakt. Wir schreiben uns E-Mails, um zu regeln, wann sie ihre Enkel sehen können.

Und wie sehr ich das manchmal hasse und wie schlecht mir manchmal ist, wenn ich weiß, dass ich sie am Nachmittag sehen werde, wenn sie die Kinder abholen. Aber meine Kinder lieben ihre Großeltern und meine Eltern sind gute Großeltern. Ich werde meine Probleme nicht zu den Problemen meiner Kinder machen. Natürlich merken sie, dass etwas nicht stimmt und wenn sie eines Tages fragen, werde ich ihnen kindgerecht antworten. Und wenn sie nicht fragen, ich aber den Wunsch habe darüber zu sprechen, werde ich das mit meinem Mann, mit meiner Freundin oder einem Therapeuten tun.

Wenn meine Kinder irgendwann stark und groß genug für meine Geschichte sind, werden sie von mir davon hören. Ich habe keine Geheimnisse vor meinen Kindern, dass darf aber niemals bedeuten, dass ich ihnen alles erzähle.

 

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