1. Teil – Briefe aus der Reha in Bad Jetwede

Hallo meine Liebe!

5 Wochen gehen rum wie nix! Das hat Jan zu mir gesagt, als ich gestern um 6:30 Uhr das Haus verlassen habe. So richtig glauben, kann ich es nicht. Jan hat sich zusammengerissen, ich habe geheult. Die Kinder haben es nicht bemerkt und haben fröhlich Tschüss gerufen. Ich bin weinend zur Bushaltestelle gegangen und wäre doch einfach so gerne Zuhause geblieben.

Heute war das psychotherapeutische Aufnahmegespräch. Meine sogenannte Bezugstherapeutin ist ungefähr in meinem Alter und wirkt sehr sympathisch. Ich habe ihr erzählt, warum ich eine Reha beantragt habe und dass ich keine Traumabearbeitung möchte, was okay ist.

Davon abgesehen, hat sie mir Reittheraphie angeboten. Ich habe freundlich abgelehnt und ihr gesagt, dass meine Ex-Therapeutin mit ihren Reitgeschichten eine starke Abneigung gegen Pferde bei mir hervorgerufen hat. Es gibt eine Vielzahl von Therapieangeboten.  Bogenschießen, Ergotherapie (= mit Speckstein arbeiten, Körbe flechten, …), Gestaltungstherapie, Gruppengespräche, Progressive Muskelentspannung und Stressbewältigung usw. Also, alles Dinge, die ich schon immer machen wollte… nicht. Ich versuche wirklich offen zu sein, aber es ist für mich eine sehr große Herausforderung.

Gerade war ich bei der ärztlichen Erstuntersuchung. Ich habe Reflexe, mein EKG ist wunderbar, ich kann hören, körperlich alles gut. Ich muss zum Glück nicht den Nordic Walking Kurs belegen, stattdessen soll ich zur Krankengymnastik im Wasser. Das erste Mal in meinen Leben habe ich das Gefühl, dass ich die Beste in einer „Sportgruppe“ sein könnte. Yeah!

Ich habe ich mir die auf den Zimmern ausgelegte Info-Mappe durchgelesen. Es wimmelt von Geboten und Verboten. Besuch auf dem Zimmer verboten. Zapfenstreich um 22:30 Uhr. Feste Platzzuweisung im Speisesaal. Herrlich! Schlimmer als in der Jugendherberge, aber ich will nicht jammern, ich habe ein Einzelzimmer und selbst das ist keine Selbstverständlichkeit.

Alle Leute hier sind nett und freundlich. Ach ja, und mit Inge, meinem Speisesaal-Buddy, gehe ich am Sonntag zum verkaufsoffenen Sonntag in Bad Jetwede… auf der Einkaufsmeile. Und ich sage dir, dass das wahrscheinlich das aufregendste Event in den kommenden 5 Wochen für mich sein wird. Inge ist wirklich sehr sympathisch, aber wie der Name vermuten lässt ist sie nicht ganz unwesentlich älter als ich. Aber du siehst ich arbeite bereits intensiv an meinen Socializing-Skills.

Viele Grüße aus der Reha!

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1. Teil – Briefe aus der Reha in Bad Jetwede

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