Gibt es einen Gott?

Ich bin christlich erzogen wurden. Frei evangelisch. Ich unterhielt mich gestern mit einem Kollegen und er fragte mich, was das bedeutet. Frei evangelisch? Die Unterschiede zur katholischen oder evangelischen Kirche sind u.a., dass sich jede Gemeinde autonom verwaltet, Kinder nicht nach der Geburt getauft werden, sondern erst, wenn sie sich als Jugendliche oder Erwachsene selbst dafür entscheiden und dass die Gemeindemitglieder keine Kirchensteuer bezahlen, aber ihren Anteil an die Gemeinde spenden. Dieser Anteil soll ein Zehntel des Einkommens betragen, weil das so in der Bibel steht. Es gibt sicherlich noch viele und auch wichtigere Dinge, die in einer frei evangelischen Gemeinde anders sind, aber ich bin keine Expertin. Schon gar nicht, für die evangelische und/ oder katholische Kirche.

Ich bin also in eine frei evangelische Familie geboren wurden und hatte zunächst keine Wahl, an was ich glauben will. Da meine Eltern die Hausmeister der Kapelle (meine Mutter haupt-, mein Vater nebenberuflich) waren, haben wir im Prinzip in der Kirche gewohnt. Unser Haus war durch den Eingangsbereich des Kirchengebäudes  mit der Kapelle verbunden. Zum anderen Ende grenzte es an das Haus des Pastors. Wow! Ich wohnte Wand an Wand mit Gott.

Das bedeutet auf der einen Seite, dass ich mitten im Geschehen aufwuchs, aber andererseits saßen ich und meine Familie förmlich auf dem Präsentierteller. In Baptisten-Gemeinden sind alle Mitglieder Brüder und Schwestern, denn Gott ist der Vater, der alle eint. Das bedeutet, dass auf einen engen und vertrauensvollen Kontakt untereinander Wert gelegt wird. Wie in einer Familie.

Meine Eltern erzogen uns gemäß ihren Überzeugungen. Meine Mutter erzählte von der Bibel, ich war jeden Sonntag in der Sonntagsschule, samstags war Jungschar. Ich hatte also viele Gelegenheiten um vom Wort Gottes zu hören. Ich lernte, dass Gott die Welt geschaffen hatte, in sieben Tagen. Jeder müsse Jesus als den wiedergeborenen Sohn Gottes anerkennen. Außerdem ist Jesus für meine Sünden gestorben. Wer an Gott glaubt, der zweifelt nicht!

Ich zweifelte trotzdem. Wenn die Welt, das ganze Universum, von Gott erschaffen wurde, wer hat denn dann Gott erschaffen? Und wie konnte er in sieben Tagen die Welt aus dem Nichts schaffen? Diese Zweifel konnte ich nicht auflösen. Ich habe nie mit meiner Mutter darüber diskutiert, was sie über Charles Darwin und die Evolutionstheorie denkt. Aus Gründen. Ich kann mich erinnern, dass sie einmal sagte, dass Dinosaurier  nicht existiert haben. Dass der Mensch vom Affen abstammt… Niemals!

Keiner hat Gewissheit darüber, wie wir wurden, aber für mich ist die biblische Schöpfungsgeschichte eben eine Geschichte. Die Bibel ist meines Erachtens ein Geschichtenbuch. Für mich ist es unerklärlich, wie man sein Leben nach einem Buch ausrichten kann, selbst wenn es das meist gedruckte ist.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Glauben missbraucht wird. Die Gläubigen stellen sich einen Freibrief für ihr Handeln aus, weil sie im Namen Gottes handeln. Scheinheiligkeit!

Dass ich nicht an Gott glaube, hat aber mit diesen Erfahrungen nur zweitranging zu tun. Ich habe viele Jahre geglaubt, dass es einen Gott gibt. Inzwischen spielt das keine Rolle mehr für mich. Die Antwort auf die Frage, wie die Welt entstanden ist, werde ich niemals erhalten. Das ist in Ordnung für mich, ich brauche keine Erklärung.

Aber klar ist auch, dass jeder für sich selbst entscheiden soll, was er glaubt, solange er sich damit gut fühlt. Das gilt auch für meine Kinder. Nur katholisch sollen sie bitte nicht werden. 😉

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